Wahrheit macht frei!

Dein Spiel beginnt schon vor dem ersten Ton. In dem Moment, wo du die Trompete in die Hand nimmst, läuft dein Autopilot ab: das Programm “Trompetespielen”. Das ist ja auch gut so und durchaus gewollt, schliesslich willst du nicht jedes Mal neu überlegen, wo du jetzt reinblasen musst ;-)

© geralt –pixabay.com

Diese Woche kam ein Schüler in einer Online-Unterrichtsstunde zunächst gar nicht zum Spielen, weil er bereits beim Ansetzen der Trompete übermäßig angespannt war. Als Alexander-Technik-Lehrer fällt mir so manches auf, was dem ungeübten Auge verborgen bleibt. So war in dem Fall mit der Armbewegung, die das Mundstück zu den Lippen führt, ein Anheben im Schulterbereich, ein Anhalten des Atems und irgend etwas im Kieferbereich zu sehen, was ich jedoch nicht genau erkennen konnte.

Gute Bedingungen schaffen

Es ist unsinnig mit solchen Vorbedingungen überhaupt zu starten. Denn wenn schon vor dem Spiel der Atem gestaut wird, ist abzusehen, dass es beim Spiel Probleme geben wird. Also schauten wir uns an, was das Konzept des “Trompete-Ansetzens” dieses Schülers war und stellten es dem gegenüber, was tatsächlich nötig ist, um die Trompete anzusetzen.

Dem liegt zugrunde, dass der Körper immer versucht die Vorstellung einer Bewegung umzusetzen. Auch dann, wenn diese Vorstellung mit der Anatomie in Widerspruch steht. Man muss also sein Konzept mit der Wirklichkeit in Übereinstimmung bringen.

  • Dann ensteht Leichtigkeit.
  • Dann entsteht Freiheit.
  • Dann entsteht Flow.

Es geht darum, ungeprüfte Konzepte zu hinterfragen, falsche Vorstellungen zu korrigieren und so der Wahrheit näher zu kommen. Das Prinzip ist uralt und beispielsweise schon in der Bibel beschrieben:

“Die Wahrheit wird euch frei machen.” – Johannes 8;32

Als also geklärt war, dass lediglich eine Beugung im Ellenbogen nötig ist und dass es eine “Schulter” als anatomische Struktur gar nicht gibt, war die Bewegung unmittelbar harmonischer. Bloß die Kiefersache war noch da.

Also bat ich den Schüler, einen beliebigen Gegenstand zu nehmen und die Bewegung damit auszuführen. Er nahm ein Buch, das greifbar war, führte die Bewegung aus und:

Der Kiefer tat nichts.

Nochmal mit Trompete.

Kiefer wieder unter Spannung.

Nochmal mit Buch.

Und da klingelte es!

Durch dieses Vergleichen wurde ihm bewusst, dass er etwas tat, was er vorher nicht bemerkt hatte und er konnte es folglich auch mit der Trompete unterlassen.

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Übrigens: Der rauschige Ton, an dem der Schüler arbeiten wollte, war dann gar nicht mehr rauschig. Wir mussten also gar kein Problem mehr lösen, weil er es gar nicht mehr (durch diese Anspannungen) erschuf.

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