Trainingsgeräte für Trompeter

Es gibt eine ganze Reihe sinnvoller Hilfsmittel fürs Trompeteüben. Ich habe hier diejenigen aufgelistet, die ich gut finde und die sich zum Teil seit Jahren bewährt haben. Inhalt des Videos und des Artikels sind mehr oder weniger gleich. Viel Spaß!

Luftfluss

Luft ist das A und O das Trompetespielens, schließlich ist die Trompete ein Blasinstrument. Los geht es mit der inneren Vorstellung dessen, was du spielen willst. Diese Vorstellung wird dann mithilfe von Luft in Klang umgesetzt. Je freier der Luftfluss, desto schöner ist der Klang, desto leichter ist das Spiel.

Ein einfaches Mittel zum Training ist das so genannte Luft und Greifen (siehe mein Buch & Workbook). Dabei singst du innerlich eine Melodie, bläst aktiv und frei Luft und drückst die entsprechenden Ventile. So verschmelzt du mit der Zeit das innere Singen mit freiem Luftfluss und kannst gar nicht mehr anders, als musikalisch zu denken und frei zu spielen.

Windrädchen

Es ist sinnvoll, möglichst natürliche und spontane Bewegungen oder Tätigkeiten zu verwenden, um an seinem Trompetenspiel zu arbeiten.

Das oben angedeutete Luft und Greifen kannst du mit einem Windrädchen kombinieren. Blase wie ein Kind dieses Windrädchen und du wirst automatisch einen freien und aktiven Luftfluss haben.

flowStick

© Stefan Leitner

Der flowStick von Thomas Tockner wird an die Stelle des Mundstückes gesteckt und lässt sich gut als Variation für Luft & Greifen (s.o.) einsetzen. Vorteil gegenüber dem normalen Luft und Greifen ist, dass man viel deutlicher und direkter hört, wenn die Luft eben mal nicht gleichmäßig fließt.

Es geht absichtlich recht wenig Luft durch das Gerät, was die Luftführung sehr gesanglich werden lässt. Durch einen Schraube lässt sich der Luftfluss je nach Geschmack anpassen. Das freie Gefühl, wie etwa beim Windrädchen, ist (bei mir) nicht allerdings nicht mehr da, daher setze ich es als Variation mit Fokus auf gleichmäßige Luft / gesangliche Luftführung ein.

Ein psychologisch wichtiger Punkt: die Form erinnert an eine Blockflöte, was von den meisten mit „einfach“ oder „Kinderkram“ assoziiert wird – im Gegensatz zur Trompete, wo man glaubt, „arbeiten“ und mit viel Kraft blasen zu müssen. Somit lässt sich eine lockerere Einstellung  zur Trompete damit kultivieren.

RB-controlfreak

Dieser Ansatzprüfer von Georg Selders (zusammen mit Rüdiger Baldauf entwickelt) ist vor allem für die Entwicklung von freiem Luftfluss gedacht. Man kann die Luftrichtung bestimmen und anpassen (so man das für sinnvoll erachtet) und mit entsprechenden Übungen die Freiheit des Luftblasens am Instrument überprüfen.

Ich verwende ihn auch quasi als „Gegenteil von Buzzern“ (siehe weiter unten), nämlich als kleinstmögliches Instrument (nur ein Mundstückrand). Das ist als Steigerung des Schwierigkeitgrades sinnvoll, wenn man sehr gut auf dem Mundstück spielen kann.

Klangqualität

Klangqualität meint auf der einen Seite objektive Kriterien wie etwa, dass der Ton gerade ist (nicht eiert), einen klaren Beginn (kein Kiecksen) und Ende hat und frei von Nebengeräuschen (Rauschen) ist. Dann gibt es eher subjektive Kriterien wie Schönheit, Offenheit, Projektion, verschiedene Klangfarben, ob der Ton also z.B. kernig ist und Strahlkraft hat und so weiter.

teach.air

Der teach.air von Jürgen Ellensohn zielt auf eine freie, natürliche Atmung ab – und damit einen schönen, vollen Klang.

Er wird, ähnlich wie eine Trillerpfeife, um den Hals gehängt. Man bläst locker hindurch und atmet dabei möglichst vollständig aus. Dabei hat man das Gefühl eines freien Luftstromes. Der darauf folgende, natürliche Atemreflex bewirkt eine natürliche, lockere Einatmung.

Man lässt den teach.air fallen und spielt unmittelbar auf der Trompete, wodurch man den freien Luftfluss direkt auf das Instrument übertragen kann. Der Effekt ist ein offenerer Klang.

Kopfhörer

Ein Schallschutz-Kopfhörer aus dem Baumarkt ändert unmittelbar die Wahrnehmung. Man hört (fast) nicht mehr mit den Ohren via Luftschall, sondern über Körperschall. Dadurch kann man vieles wahrnehmen oder besser wahrnehmen, was beim normalen Spielen verborgen bleibt.

So nimmt man etwa Kratzgeräusche überdeutlich wahr und kann so zu einem klaren Klang kommen. Halsgeräusche kann man damit genauso abstellen. Außerdem hört man sehr deutlich, ob man einen Ton gerade hält oder ob er eiert, ob der Tonbeginn zu tief ist, aber auch Nachdrücken, also das unabsichtliche Anschwellen der Lautstärke nimmt man deutlicher war und kann es somit bleiben lassen.

Sound Assist

Der Reflektor „Sound Assist“ ist in akustisch ungünstigen Situationen Gold wert. Sei es, dass man in einem Raum „ohne Akustik“, also einem sehr trockenen Raum spielt oder in einer Band oder Orchester, wo man sich selbst kaum hört und somit Gefahr läuft, zu laut zu spielen und sich platt zu machen.

Aber auch fürs Üben ist ein Reflektor ein wichtiges Hilfsmittel. Man hört sich selbst viel deutlicher, nimmt etwa ein Rauschen im Ton war, dass man dann eher abstellen kann. Außerdem ist das Spiel mit Reflektor kraftsparend, wodurch man sich ein Gefühl von Leichtigkeit angewöhnen kann.

Finger

Der Gebrauch deiner Finger ist ein sehr wichtiges Detail. Diese sollten immer so schnell wie möglich bewegt werden. Wie schon Claude Gordon schrieb: „Lift Fingers high. Strike valves hard.“ Sonst fließt in der Maschine die Luft nämlich nicht mehr frei…

Däumling

Eine gute Fingerhaltung ist wichtig, weil nur durch eine physiologisch richtige Haltung schnelles Spiel möglich ist. Dafür ist der Däumling von Christoph Weber ein Gutes Hilfsmittel. Für Anfänger sowieso, aber auch wenn sich Fehler eingeschlichen haben und man eine Gewohnheit ändern möchte. Man steckt den Däumling einfach ans erste Ventil und schon hat man den Daumen und damit die Hand in einer günstigen Position.

Sollte das nicht ausreichen kann man sich noch ein Stück Pappe zurechtschneiden und für einige Wochen oder Monate an der Trompete belassen. So ist man „gezwungen“ über die Pappe zu greifen und gewöhnt sich so die physiologisch günstige Griff-Weise an. Ab einem bestimmten Punkt ist es automatisch und die Pappe wird nicht mehr benötigt.

Mundstückspielen / Buzzing

Mundstückspielen ist eine wichtige Säule jeden Übens und ich setze es auf zwei Arten ein. Erstens, um bestimmte Funktionen und Bewegungsabläufe zu trainieren. Zweitens, um die Umsetzung deiner musikalischen Vorstellung zu verfeinern. Am besten geht beides mit einem Buzzer, denn eine kleine Verlängerung macht das Spiel auf dem Mundstück leichter.

B.E.R.P.

Der B.E.R.P. ist der Klassiker aus Chicago. Es ist ein kleines Plastikrohr, dass ans Mundrohr geschraubt werden kann. Dies ermöglicht ein schnelles Wechseln zwischen Mundstück – und Trompetespielen.

Auf dem B.E.R.P. ist es dann fast so als spielte man auf der Trompete, weil man auch die gewohnte Spielhaltung hat und dazu greifen kann. Außerdem kann man durch einen kleinen Schieber den Luftwiderstand so anpassen, dass sich das Spielgefühl dem des Trompetespielens annähert.

Buzz-R

Der Buzz-R von Markus Arnold ist ein Buzzer aus Holz, der für mich das angenehmste Spielgefühl hervorbringt. Bei seiner Entwicklung wurden verschiedene Holzsorten, verschiedene Durchmesser, die Größe der Löcher und so weiter systematisch getestet und mehr.

Außerdem dämpft er angenehm und sorgt für einen schönen, weichen Klang. Er schön gearbeitet und es macht Spaß, damit zu spielen.

Vhizzper

Der Vhizzper von Christoph Baerwind ist mein Lieblings-Übedämpfer. Man kann den Widerstand (und damit Lautstärke) anpassen, er klingt gut und stimmt gut. Man kann durch Ringe den Durchmesser anpassen, so dass er perfekt in deinen Schallbecher passt.

Außerdem kann man ihn dank patentierter Mechanik auch als Buzzer verwenden. Damit fühlt es sich fast wie Trompetespielen an, die Verlängerung ist im Vergleich zum B.E.R.P. und Buzz-R deutlich länger.

Ich habe mit Christoph einen Podcast aufgenommen, in dem er vom langen Entwicklungsprozess des Vhizzper berichtet, welche der üblichen Schwächen von Dämpfern er mit dieser Konstruktion vermieden hat und warum er auch für Profis ideal geeignet ist.

Krafttraining

Ein wenig ernüchternd zwar, aber deswegen nicht weniger zutreffend: das beste Kraft- und Ausdauertraining ist, viel zu spielen. Man wird nun mal kein Marathonläufer, in dem man im Fitness-Studio Muskeln stählt, sondern in dem man läuft. Das vorweg geschickt macht es natürlich dennoch Sinn, den schnell ermüdenden Lippen gesondert Aufmerksamkeit zu schenken.

Lippen-Expander

lippen-expanderEs gibt inzwischen viele Geräte auf dem Markt. Ich kenne nur wenige aus eigener Erfahrung. Herausragend finde ich das „Urgestein“ dieser Produkte, den Lippenexpander.

Um damit trainieren zu können, muss man meines Erachtens aber einige Vorarbeit geleistet haben, z.B. den Mundringmuskel maximal kontrahieren können und auch ohne Gerät schon eine Weile halten können.

Dann aber kann man mit dem Lippenexpander so richtig Kraft und Ausdauer damit aufbauen.

Und du…?

  • Welche von den Geräten kennst du? Was findest du gut? Was hat es dir gebracht?
  • Kennst du weitere Geräte, die du aus eigener Erfahrung empfehlen kannst?

Ich freue mich auf deinen Diskussionsbeitrag in den Kommentaren.

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Eine Antwort

  1. Hallo Daniel,
    ich kenne von den Geräten den BUZZ-R. Mir gefällt der BUZZ-R sehr gut. Vor dem Trompeten Üben, mache ich damit Vorübungen (Tonleiter, Sirene (tiefe Töne -> hohe Töne) mit und ohne Zunge. Versuche mit dem BUZZ-R Noten zu spielen und danach mit der Trompete.
    Ich kenne noch die Streichholzschachtel Ziel-Weitpusten von Claudia Schade. Sie hat auch zwei Kinderbücher Brassini für Trompete herausgegeben. ( ‚Koordination und Funktion der Mund- und Zungenmuskeln…‘ ) Da sind sehr schöne Übungen mit dabei, die ich jetzt seit zwei Monaten in meinem Training mit aufgenommen habe.
    Lg
    Joachim

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