Gedanken zum Thema “Vergleichen”

© mdworschak- fotolia.com

Vergleichen ist ein kraftvoller “NeuroMechanismus” (nach V.F.Birkenbihl). Unser Hirn ist ständig damit beschäftigt:

  • kenne ich schon/kenne ich noch nicht
  • ich kenne etwas ähnliches/widersprechendes
  • es gibt Verbindungen zu schon Bekanntem

Vergleichen als ÜbeTool

Wenn Du dir beispielsweise verschiedene Interpretationen eines Werkes anhörst, dann wirst Du sie unweigerlich miteinander vergleichen. Dir wird bewusst, was Dir gefällt und was nicht und bildest dadurch deinen Geschmack. Du wirst dir der kleinen Details gewahr, die für eine bestimmte Wirkung der Musik verantwortlich sind und kannst somit auch selbst besser gestalten.

Wenn Du selbst verschiedene Interpretationen eines Stückes oder einer Phrase erfindest, dann erweiterst Du dadurch dein Repertoire. Das Vergleichen bringt Dich dem Wesenskern des Werkes näher, denn Du sortierst dadurch auch alles aus, was nicht passt. Mit der Zeit wirst Du fähig zu karikieren, also das Wesen des Stückes (oder Stils) übertrieben herauszuarbeiten.

Aber auch was Spieltechnik angeht, ist Vergleichen unverzichtbar. Du hast ein Ideal, wie der Anstoss klingen soll und das vergleichst Du mit deinem tatsächlichen Anstoss. Du machst eine Übung für sauberes Legato und vergleichst dein Spiel mit dem Ideal.

Dieses Ideal ist zwar per Definition nicht erreichbar, aber es gibt dir die Richtung vor, in die Du gehen willst. So wie ein Flugzeug permanent vom Kurs abkommt und durch permanente Kurskorrekturen möglichst nahe an der Ideallinie auf seinen Zielflughafen zusteuert. Deswegen ist Vergleichen nötig, denn es zeigt Dir, ob dir Richtung stimmt.

Vergleichen mit anderen

“Das sollte man nie tun. Menschen sind per se nicht vergleichbar. Jeder ist einzigartig.” – so die spontane Reaktion vieler Menschen. Das stimmt einerseits, denn auch beim Trompetespielen ist vieles ist nicht vergleichbar: der eigene Sound, die eigene Interpretation, die eigene Auffassung. Beim Musizieren geht es ja auch und gerade darum, das Individuelle herauszuarbeiten, sich auszudrücken. Wie sollte man das sinnvoll mit anderen vergleichen?

Auf der anderen Seite gibt es Aspekte, die man durchaus vergleichen kann. Ist der Ton genau so sauber wie bei X? Ist die Punktierung exakt oder schwammig (z.B. auch Blechbläser/Streicher ;-) )? Kann man es im geforderten Tempo spielen oder nicht? Kommt der hohe Ton mit vollem Klang oder nur vergleichsweise(!) dünn?

Man kann also sein Spiel durchaus vergleichen und das möglichst positiv als Ansporn verwenden. Man merkt seine eigenen Defizite und kann daran konstruktiv arbeiten. Deswegen sind Vorbilder ja so wichtig, sowohl als Spiegel als auch als Inspiration.

Man merkt durch das Vergleichen mit anderen aber auch, welche Aspekte man im Vergleich zu anderen schon sehr gut beherrscht und kann somit seine “Stärken stärken”. Denn ein Bewusstsein und eine gesunde Balance von “kann ich gut” und “kann ich noch nicht”, ist ein wichtiger Faktor beim Lernen.

Vergleichen fördert Selbstbewusstsein

Selbstbewusstsein bedeutet: sich seiner selbst bewusst sein. Wirklich zu wissen, was man tut, denkt, fühlt. Was man kann, was man nicht kann, oder noch nicht gut genug.

Dazu gehört auch, dass Du dir bewusst machst, was dich bei der Musik bewegt, die Du spielst, und wie sie dich bewegt. Werde dir darüber selbst bewusst, damit Du künftig immer mehr davon in deine Art zu Musizieren integrieren kannst. Dieses Selbstbewusstsein entsteht in weiten Teilen durch Vergleichen – sei es der Vergleich mit einem gedachten Ideal, deinem vergangenem Ich oder jemand anderem.

UmsetzungsImpuls

Frage Dich, wie Du künftig sinnvoll und konstruktiv Vergleichen für dich nutzen kannst.

1 Kommentar zu “Gedanken zum Thema “Vergleichen”

  1. Ich finde Deine Ueberlegungen sehr passend. Das Bewusstsein, dass die Lücke (Ideal/eigene Leistung) meistens nicht geschlossen werden kann und dass es Gründe dazu gibt, ist wichtig. Eine grosse Gefahr sehe in Studioaufnahmen – diese sind zu perfekt. Das Live Konzert führt immer wieder vor, dass auch Stars nicht IMMER Alles gelingt. Die positive Wahrnehmung ist sicher wichtig – da die Fortschritte meist sehr klein sind, wird es schwierig diese wahrzunehmen, da ein Vergleich des eigenen Spiels mit dem Spiel vor einem Jahr nur durch Aufnahmen möglich wäre. Doch gerade Aufnahmen können sehr ernüchternd sein……

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.