Spass an der Freude

Es ist heute selbstverständlich, dass alles Spaß machen muss. Das bedeutet, dass Spaß schnell und immer verfügbar ist. Zum Beispiel Videospiele, Fernsehen, DVDs, ein billiges Popstück statt einer Bach-Arie usw.

Der scheinbare Vorteil davon ist, dass man dafür nicht arbeiten muss.

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Es ist ja so einfach.

Man schaltet den Fernseher ein und hat Spaß.
Spielt das neue Videospiel. Das macht Spaß.
Geht ohne zu üben in die Bandprobe… und hat Spaß!

Von mir aus, es muss ja nicht alles Ernst sein. Es wird aber dann zum Problem, wenn es eine grundsätzliche Lebenseinstellung wird. Denn dann ist das Leben, beziehungsweise das Er-leben, flach und seicht. Und das ist längst zu einem gesellschaftlichen Problem geworden.

Im Gegensatz dazu steht die Freude. Diese Freude entsteht, wenn man sich intensiv und über ein längeren Zeitraum(!) mit einem Thema beschäftigt. Das ist dann auch durchaus anstrengend. Aber ‘plötzlich’ entdeckt man eine Tiefe in den Dingen (oder in sich selbst), neue Aspekte können wahrgenommen werden, eine neue Welt tut sich auf.

Und dieser Geistesblitz, der bei einer solchen neuen Entdeckungen entsteht, bei dem Erreichen einer neuen Ebene des Verstehens oder Könnens, ist mit nichts anderem vergleichbar. Es ist jene Freunde, die seit jeher Wissenschaftler und Künstler angetrieben hat: Neues zu entdecken, Altbekanntes tiefgehender zu verstehen, kreativ zu arbeiten, Neues zu schaffen.

Dazu bedarf es der Fähigkeit sich für diese Arbeit zu entscheiden! Und damit gegen alles andere – auch gegen Spaß.

Ich finde diese Fähigkeit nur sehr sehr selten bei Jugendlichen. So habe ich Schüler, die kommen halt um Spaß zu haben. Manchmal gelingt es mir als Lehrer ihnen den Spaß zu verderben und sie stattdessen zu begeistern für die Freude, die Trompete spielen oder Musik überhaupt bedeuten kann. Und dann habe ich gute Arbeit geleistet. Denn es ist mir ein Anliegen genau dieses zu fördern. Das ist eine wichtige Aufgabe von Bildung allgemein und insbesondere von klassischer Kultur. Es geht aber noch weiter.

Praktisch alle großen Wissenschaftler waren auch ausgezeichnete Musiker (Einstein spielte hervorragend Geige usw). Wissenschaft und Kunst scheinen sich gegenseitig zu beflügeln. Gerade klassische Musik hat eine ganz besondere Wirkung auf den Geist der Zuhörer und ich schliesse mich denen an, die meinen, dass eine (klassische) Kultur geradezu Bedingung ist für wissenschaftlichen Fortschritt und damit indirekt das Wohlergehen der Menschheit.

Soll nochmal jemand sagen Kultur sei Luxus…

3 Kommentare zu “Spass an der Freude

  1. Frauke Willer

    “Aber ‘plötzlich’ entdeckt man eine Tiefe in den Dingen (oder in sich selbst), neue Aspekte können wahrgenommen werden, eine neue Welt tut sich auf.”
    Genau das hatte ich gerade eben beim Üben.
    Ein Stück durch alle Tonarten transponieren, vor zwei Wochen noch mehr oder minder ein Buch mit sieben Siegeln, aber heute morgen hatte ich zumindest für einen Teil der Tonarten einen Bezug zu dem was ich da mache und wie ich es machen muss. Aber bis das fließend geht noch ein hartes Stück Arbeit.

  2. Meine Mutter ist pensionierte (Sonderschul-) Lehrerin, hier eine Ihrer Anekdoten aus der aktiven Zeit:
    Schüler: Ich hab kein Bock!
    Lehrerin: Dann machst du es jetzt eben ohne Bock!
    Soll meistens geklappt haben. Die Prämisse in unserer Gesellschaft alles müsse “Spaß machen” verhindert bei vielen Menschen eine positive langfristige Entwicklung und das in allen Bereichen. Wichtig ist sich langfristig Ziele zu setzen und auch Herausforderungen anzunehmen auf die man gerade jetzt “keinen Bock” hat. So wie das tägliche Üben eines Musikinstrumentes. Die Freude die man langfristig beim Musizieren allein oder in Gemeinschaft hat ist viel größer als den “Spaß” den man durch kurzfristge Entscheidungen haben kann (z.B. NICHT zu Üben um mit etwas anderem “Spaß”zu haben).

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