Kontext von Lampenfieber

Lampenfieber ist im Kern die Angst vor der Meinung oder dem Urteil anderer.

Ein Aspekt davon ist, dass Meinung immer auch vom Beziehungskontext und von der Rollenverteilung geprägt ist. Also welche Art Auftritt ist es? Ist es ein klassisches Konzert, ein Kirchenkonzert, ein Jazz-Festival, ein Ständchen, eine Feier, ein Wettbewerb…

Die Meinung, die sich „die anderen“ möglicherweise bilden ist oft viel mehr von diesem Kontext abhängig als von deinem Spiel, von dir als Musiker, oder gar von dir als Mensch.

Die Frage, die sich natürlicherweise daran anschliesst ist:

  • Welche Rolle nimmst du ein?
  • In deinem Ensemble, im Orchester, in deiner Band?

Und mit Rolle meine ich sowohl welche Stimme du spielst als auch deine etwas weitergefasste Rolle im Beziehungsgeflecht der Formation. Und die Frage lautet:

  • Passt diese Rolle zu dir?
  • Willst du diese Rolle auch weiterhin ausfüllen?
  • Oder steht da eine Veränderung an?

Es reicht oft, diese Rolle innerlich klar zu haben, man muss da sonst gar nichts sagen oder tun. Reinhard Sprenger fasst das mit dem Satz zusammen: „Die Erwartungen anderer, sind die Erwartungen anderer.

Das heisst, keiner kann dich dazu zwingen deren Erwartungen dir zu eigen zu machen. Und genau so kannst du auch deine Rolle auswählen.

Angst vor der Meinung anderer ist also manchmal auch ein Symptom davon, dass du eine dir nicht gemässe Rolle hast, aus deiner Rolle bereits herausgewachsen bist oder sie vielleicht noch nie etwas für dich war. Sollte das auf dich zutreffen, dann kannst du daraus die Konsequenzen ziehen und etwas verändern.

5 Kommentare zu “Kontext von Lampenfieber

  1. Die oben gestellten Fragen sind genau die Richtigen. Das “Problem” ist die Verinnerlichung der Antwort, welche oft sehr simpel ist und in der Folge das Lampenfieber keinen rationalen Grund mehr hätte. Unterschätzt wird meiner Ansicht nach, dass Lampenfieber eben auch eine körperliche Reaktion ist, welche einmal eingebrannt sich nur langsam wieder lösen lässt. Dies hat nur zum Teil mit Kopfarbeit zu tun – diese ist aber der erste Schritt. Die eigenen Ansprüche “perfekt” sein zu wollen, ist eine grosse Hürde, welche es abzubauen gilt. Ganz bewusst in den Auftritt einsteigen, mit dem Ziel ca. 80 % zu liefern und nicht 100 % kann entspannen. Keine Situation mehr anstreben, wo 100 % erwartet wird. Das ist der Vorteil des Laien. (Ich möchte deshalb nie Profi sein!). Etwas vom Wichtigsten scheint mir das Ensemble selbst zu sein. Nur in der Einbettung und einem gemeinsamen Verständnis der Ansprüche kann es gelingen, Angst abzubauen.

    • Ja Christoph, das sehe ich ganz genau so. Wenn Lampenfieber einen logischen Grund hätte, könnte man es durch bloßes Nachdenken loswerden. Kopfarbeit ist sicherlich EIN Teil, viel wichtiger ist m.E. ein besseres Verständnis von Emotionen und eine ehrlichere Art des Umgangs MIT ihnen.

  2. Da Lampenfieber auch eine körperliche Komponente hat, lehne ich vorübergehend und in Ausnahmefällen auch eine Betablockerbehandlung nicht ab. Sie kann definitiv zu einem neuen “Erleben” führen, welches dann aus Ausgangsbasis für langsame Vertrauensbildung dienen kann, welche über eine Minimierung der Dosis läuft. Meine Erfahrung: ich spiele mit Betablocker leicht schlechter, aber die “Fehler” werfen mich nicht aus der Bahn. Es gibt somit kein “aufgeladener” Regelkreis, der zu “zittern” “schwitzen” etc. führt, was gerade bei der Trompete das Spiel sofort verunmöglicht.
    Was mir hilfst sind auch Stilrichtungen anzustreben, welche nicht dominant auf Perfektion aus sind, sondern auf Emotion und Spielfreude. Ich vermute dass Lampenfieber in der klassischen Szene viel ausgeprägter vorkommt.
    Da würde mich interessieren, ob diese Meinung geteilt wird.

    • Meine Meinung dazu, und auch mich interessiert hier die Meinung anderer, ist folgende: Betablocker unterdrücken viele Symptome und können sinnvoll sein und werden sinnvollerweise genau so eingesetzt, wie du es beschreibst. Das ist aber natürlich auch (und zuerst!) eine medizinische Frage, auch wg. Nebenwirkungen, möglicher (psychischer) Abhängigkeit usw.

      Ich hatte von 10 Jahren so starkes Lampenfieber, dass ich nur noch mit Betablockern spielen konnte, weil mein Körper schlicht den Dienst verweigert hat. Inzwischen bin ich in dem Sinne angstfrei, dass ich bei Auftritten zwar noch nervös werde, das aber keinerlei negativen Auswirkungen mehr hat. Immer öfter passiert es mir, dass aus der leichten Nervosität vor dem Konzert, dann tatsächlich Spielfreude während des Konzertes wird.

      Die Stilrichtung hat auch meiner Erfahrung nach einen großen Einfluss auf Lampenfieber. Die einzigen Konzerte, bei denen ich noch nicht einmal aufgeregt war, waren solche mit “neuer Musik” – wo es (ganz unter uns gesagt) völlig egal war, was man da spielte ;-)

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