Kein Rhythmusgefühl? So lernst du es!

Wurde dir von deinem Lehrer oder ‘netten’ Musikerkollegen im Orchester ein schlechtes Rhythmusgefühl attestiert? Oder hast du einfach manchmal kleine Unsicherheiten? Und willst du dein Rhythmusgefühl verbessern? Dann ist dieser Artikel für dich! Lies gleich weiter…

Alles hat einen Rhythmus

Rhythmus ist Leben. Im grossen übergeordneten Sinn, wie z.B. Jahreszeiten, jemand wird geboren, jemand stirbt, Tag und Nacht, wach sein und schlafen, fröhlich und traurig sein, aber auch deine Atmung, dein Herzschlag, deine Verdauung ja sogar dein Hirn hat einen Rhythmus. Ohne Rhythmus(gefühl) wärest du schon längst tod! Also lass dir von niemandem einreden, du hättest kein Rhythmusgefühl. Das ist Quatsch!

Stell dir vor, du gehst joggen. Ich garantiere dir, dass du nach einigen Metern dein Tempo gefunden hast und es die gesamte Strecke durchhalten wirst. Oder weniger sportlich, du läufst vom Kühlschrank zum Sofa. Auch hier wirst du mit erstaunlicher Präzission gleichmässig gehen links, rechts, links, rechts, links…

Der Puls ist ein Gefühl!

Gehe im Tempo der Musik auf der Stelle oder laufe durch die Gegend, wippe im Takt der Musik, nicke mit dem Kopf, Klatsche, Tanze… es gibt zig Möglichkeiten. Wenn du das eine Minute gemacht hast und dann ein Stück spielst (fühle weiterhin den Puls), garantiere ich dir, dass du es von vorne bis hintem “im Tempo” spielen wirst. So einfach? So einfach.

Angenommen du bist am wippen, dann kannst du das Wippen immer kleiner werden lassen, bis es völlig unsichtbar ist, du es aber weiterhin innerlich fühlst. Dieses Gefühl kannst du weiterhin fühlen, während du spielst.

Im laufe der Zeit wirst du nicht mehr eine Minute brauchen, sondern immer weniger, bis du quasi sofort in einem Tempo ‘drin’ bist. Das bedeutet, du fühlst den Rhythmus. Der “Grundbeat”, wie man neudeutsch so schön sagt, also der “Puls” der Musik, ist also ein KÖRPERGEFÜHL. Das hat nichts mit Denken oder “Mitzählen” zu tun.

Und dann die Mathematik

Ein anderes Thema ist, wie du die Verhältnisse von z.B. Viertelnoten und Achtelnoten richtig umsetzt. Dazu kannst du zusätzlich zu deinem Rhyhtmusgefühl eine weitere natürliche Sache nutzen: die Sprache. 

3 Kommentare zu “Kein Rhythmusgefühl? So lernst du es!

  1. Liebe Musikbegeisterte,

    jemand, der sich vom Rhythmus abgeschnitten fühlt oder meint, kein Rhythmusgefühl zu besitzen, der kann sich freuen: jeder Mensch trägt rhythmisches Urwissen in sich. Niemand ist vom Rhythmus getrennt. Was uns vom Rhythmus trennt, sind genau die Dinge, die uns auch von unserer Präsenz und unserem Potenzial im Leben abhalten. Voraussetzung, den Rhythmus zu spüren, ist es, den eigenen Körper wahrzunehmen, Kontrolle abzugeben, geschehen lassen zu können und sich schließlich mit dem Rhythmus zu synchronisieren. Dies alles erlernt man nicht über ein Metronom, denn Musik ist lebendig und lebt von Fluktuationen. Ein Orchester und/oder Tanzensemble “klinkt sich in den Rhythmus, der hinter allem ist”, ein – durch Synchronisation – nur so gelingen großartige gemeinsame Musikevents. Soweit sind wir uns da einig. Aber manch einer hat dieses Körpergefühl (noch) nicht. Hier gilt: vor dem Fühlen kommt die Bewusstmachung.

    …weiterhin viel Spaß mit Musik und Tanz!!! :-)

    wünscht euch

    Martina – http://www.zelltanz.de

    • Vielen Dank für deinen sehr interessanten Kommentar, Martina. ;-)

      Ich stimme mit dir im wesentlichen überein. Als Alexander-Technik-Lehrer ist das Konzept des Sein-lassens, des Zulassens des natürlichen Flusses inzwischen natürlicher Teil meines Seins geworden.

      Es geht beim Thema Rhythmus auch(!) darum das natürliche Schwingen des Körpers zuzulassen, sich im “Hier und Jetzt” auf die Mitmusiker einzustellen usw.

      Darüber hinaus ist für Musiker das Metronom ein unverzichtbares Hilfsmittel um bestimmte Fertigkeiten zu trainieren (z.B. auf den Punkt präsent zu sein, Präzission der Rhythmen, Tempo halten, Geschwindigkeit steigern, usw.)

      Mich würde noch interessieren, was genau du mit “rhythmisches Urwissen” meinst?

      Herzliche Grüsse,
      Daniel

  2. Hallo Daniel,

    zu deiner Anfrage über das rhythmische Urwissen, mache ich es mir mal etwas einfach und zitiere – nach Prüfung -Wikipedia…

    “Rhythmus-Archetypen, rhythmischer Magnetismus

    TaKeTiNa geht davon aus, dass es „rhythmisches Urwissen“ der Menschheit gibt. Diese Rhythmus-Archetypen sind rhythmische Muster und bestimmte polyrhythmische Verbindungen, die nicht nur allen Kulturen gemein sind, sondern sich zum Teil sogar physikalisch nachweisen lassen. Ein Beispiel ist: ein Spring-Seil wird mit einer bestimmten Frequenz gedreht, der entstehende Bogen spannt sich von der einen Seite bis zur anderen. Wird die Drehfrequenz erhöht, kommt es ab einer bestimmten Frequenz zu einer kurzen Chaosphase und anschließend bildet sich in der Mitte des Seils ein Knotenpunkt: das Seil teilt sich quasi in zwei Hälften. Wird die Frequenz abermals gesteigert, geschieht das gleiche noch einmal, nur dass sich das Seil dann in drei Teile teilt. Diese Knotenpunkte sind vergleichbar mit dem Flageolettton auf der Gitarre. Interessant ist hier die Frage, woher das Seil „weiß“, wo es sich zu teilen hat. Erklärt wird dies in TaKeTiNa mit rhythmischem Magnetismus: es gebe bestimmte rhythmische Punkte, die anziehend wirken – auf ein Seil ebenso wie auf das rhythmische Empfinden des Menschen. Das Phänomen ist jedoch vollständig physikalisch erklärbar, wissenschaftliche Belege für einen „rhythmischen Magnetismus“ gibt es nicht.”

    Neben der “Selbstteilung” des Seiles, gibt es in der Natur jede Menge weitere Vorbilder bzw. Ausdruck von Polyrhythmik bspw. in Blüten (Verhältnis Blätter : Staubgefäße).

    Natürlich muss ein Musiker auch lernen, im Tempo zu bleiben. Hierfür ist es sicherlich eine gute Möglichkeit ein Metronom zu nutzen. Dennoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass wachsende rhythmische Sicherheit immer auch mit Sicherheit im Halten des Tempos einhergeht. Das Gefühl für ein konstantes Tempo kommt ebenso wie jegliches Rhythmusgefühl aus dem eigenen inneren Erleben. Ein Metronom ist und bleibt ein Hilfsmittel von außen. Je geringer die innere Rhythmussicherheit ist, umso eher wird das Metronom als von außen kommender “Zwang” erlebt, der mich sogar schlimmsten Falls vom musikalischen Fühlen abhalten kann und mir in dem Moment den Zugang versperrt.

    Sicherheit darin, wenn ich rausfalle aus dem Rhythmus – oder eben auch das Tempo verliere – erlange ich durch mehr Flexibilität, über spielerisches Raus- und Reinfallen aus/in Rhythmus.

    Ich zitiere hier nochmals einen Auszug aus Wikipedia:

    “Lernen in abwechselnden Phasen von Chaos und Ordnung

    Ein (ausschließlich) vom Willen und vom Denken gesteuerter Aufbau einer polyrhythmischen TaKeTiNa Reise ist nicht möglich. Während des Aufbaues der Rhythmus-Reise kommt es immer wieder zu Phasen, in denen einzelne Teilnehmer unweigerlich „aus dem Rhythmus fallen“. Diese Chaos-Phasen haben zentrale Bedeutung für das Lernen, wie es in TaKeTiNa passiert und sind daher gewollt. Durch das Herausfallen sind die Teilnehmer gehalten, wieder Anschluss an den Rhythmus zu finden. Dabei können sie erfahren, wie das wieder Hineinfinden sich am ehesten realisieren lässt, sie können experimentieren – je häufiger sie herausfallen, desto mehr können sie erfahren. Ebenso können sie hier erfahren, dass sie am besten wieder in den Rhythmus hineinfinden, wenn sie sich in der Balance zwischen Intention („ich will wieder mitmachen“) und Hingabe („sich dem rhythmischen Fluss hingeben“, „Es“ geschehen lassen) befindet: Dann ist ein „Sich-Einfangen-Lassen“ vom rhythmischen Magnetismus am ehesten möglich. Ist zu viel Wollen im Spiel, wird das Wieder-Hineinfinden schwer bis unmöglich.”

    Mein Fazit: Metronom als Richtschnur, und Rhythmusschulung – bspw. über TaKeTiNa – ergänzen sich. Ein Metronom alleine vermag jedoch niemals die inneren Vorgänge in einem Menschen zu verändern – ebenso wie eine Brille zwar den Blick schärft, niemals aber die Augen.

    Herzliche Grüße
    Martina

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