Interview mit Canadian Brass

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Es war ein aufregender Moment für mich, denn Canadian Brass begleiten mich schon mein ganzes Leben. Als Kind gab es Kassetten davon im Auto. Später war ich bei Konzerten, habe Stücke rausgehört (zumindest habe ich es versucht ;-) ).

Jetzt saß ich mit den beiden Trompetern Chris Coletti und Caleb Hudson am Tisch und führte ein inspirierendes Gespräch mit ihnen. Hier vorab einige spannende Punkte aus dem Interview und meine Kommentare dazu:

Musik, Musik, Musik

“Wir sind der Ansicht, dass Musik an erster Stelle stehen muss. Damit meine ich, dass die Technik aus einer musikalischen Idee abgeleitet werden sollte.” – Chris Coletti

Genau! Wenn du mich kennst, dann weißt du, dass ich einige Jahre den Standpunkt meines damaligen Profs vertreten habe, dass die Technik isoliert geübt werden kann/sollte. Das stimmt aber nur teilweise und auch nur für sehr spezifische Übungen, weil schon eine musikalisch gespielte Tonleiter eine andere Technik erfordert, als eine mechanisch gespielte Tonleiter…

“Wir singen als Gruppe sehr viel zusammen, weil wir gemerkt haben wie effektiv es für die Probenarbeit ist.” – Chris Coletti

Lass dir das auf der Zunge zergehen:

Die Canadian Brass(!) Musiker singen beim Proben zusammen, weil das eines der effektivsten Mittel überhaupt ist.

Klar, denn die Stimme gibt die musikalische Vorstellung am direktesten wieder. So einigen sie sich musikalisch schon beim Singen, finden einen gemeinsamen Groove, eine gute Intonation… Wann wirst du das für dein Üben oder Proben beginnen anzuwenden?

Was wichtig ist!

“Ich denke, ein schöner Klang ist immer auch ein effizienter Klang.” – Chris Coletti

Denn Effizienz bedeutet, dass man herausgefunden hat, was man zum Trompetespielen braucht und was nicht. Somit ist man freier, flexibler – und das spiegelt sich dann eben auch in einem freien Klang wider.

“Effizienz ist das Wichtigste beim Spielen” – Caleb Hudson

Caleb ist ein Meister der Piccolotrompete. Wer J.S. Bachs 2. Brandenburgisches Konzert so souverän spielen kann, weiß wie’s geht. Und außgerechnet er betont nun mit Nachdruck, dass Kraft zwar nötig sei, aber nicht entscheidend. Effizienz ist das “Geheimnis”. Spannend, gell?

“Alles was du tust merkt sich dein Gehirn mit gleicher Wichtigkeit, egal ob es gut oder schlecht war. Achte deswegen beim Üben darauf, dass das Verhältnis zwischen guten und schlechten Versionen soweit wie möglich auf der positiven Seite ist.” – Chris Coletti

Habe ich hier schonmal was dazu geschrieben: Du kannst nicht nicht üben

Performing

“Versuche beim üben und ich den gleichen Anspruch an dich zu haben, wie später auf der Bühne. Viele haben auf der Bühne ein deutlich höheren Anspruch an sich, als ihm Übezimmer.” – Chris Coletti

Das finde ich sehr spannend, denn das ist ein Grund für Lampenfieber. Während man zu Hause noch zufrieden mit sich war, versucht man auf der Bühne plötzlich ein zweiter Maurice André zu sein. Es ist recht unwahrscheinlich, das so eben mal hinzubekommen und Nervosität ist somit vorprogrammiert…

Eine Antwort

  1. Auch mich begleiten Canadian Brass schon mein ganzes Leben. Habe sie 1994! zum ersten Mal live in Wien gesehen. Damals noch mit Fred Mills, Ronald Romm, David Ohanian und Gene Watts (Chuck war ja natürlich auch dabei). Heuer hatte ich die Möglichkeit sie in Rosenheim nach dem Konzert zu treffen und es ist unglaublich welche Natürlichkeit diese Burschen haben, bei der Virtuosität die sie auf der Bühne zeigen. Ich kann nur jedem Blechbläser (aber auch allen anderen) empfehlen ein Konzert von ihnen zu besuchen.

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