In 3 einfachen Schritten zu einer besseren Stütze

Über die Stütze wird viel erzählt und diskutiert, es gibt unterschiedliche Ansätze und Vorstellungen –  manche sehr konkret, andere eher metaphorisch. Aber über eines sind sich alle einig: als Trompeter muss man gut stützen können.

Malte Burba® beispielsweise fasst die diesbezüglichen Vorteile so zusammen:

  • Klang – der Ton trägt besser und klingt voll und kernig
  • Kontrolle – Stützen ist aktiv und nur was ich aktiv tue kann ich kontrollieren
  • Kapazität – die Luft wird dosiert eingesetzt und nicht ungenutzt verschwendet
  • Kraft – die Bauch- und sonstige Stützmuskulatur kann viel mehr Kraft als z.B. die Lippen
  • Konstante – je mehr Konstanten ein System hat, desto stabiler ist es. Also stützt man entweder immer oder nie, aber nicht mal so und mal so.

Was ist überhaupt Stütze?

Stütze ist ein ganz natürlicher, alltäglicher Vorgang und wird auch als aktives Ausatmen bezeichnet. Dabei werden automatisch diverse Muskeln angespannt, welche die Luft aktiv aus den Lungen befördern. Am einheitlichsten spürbar ist die Stütze in der Flanke.

Du stützt bspw. beim Husten, Niesen oder beim Luftballon aufblasen. Du musst Stützen somit nicht neu lernen, denn schon dein erster Schrei als Baby war perfekt gestützt. Deine Aufgabe ist somit lediglich, es beim Trompetespielen gezielt anwenden zu lernen.

Stützen lernen

Schritt 1 – Stütze bewusst machen

Als ersten Schritt, musst du dir die Stütze also bewusst machen. Drücke dafür deine Finger in die Flanke (siehe Bild 1) und produziere einen scharfen, lauten, kurzen Zisch-Laut: “tssss”

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Bild 1: Bewusstmachen der Stütze

Du merkst, wie sich dabei die Muskulatur anspannt. Mache das ein paar Mal und werde dir des Wechsels von Anspannung (Stütze) und Entspannung (Einatmung) bewusst.

Schritt 2 – „Trockenübung“

Puste in diesem Bewusstsein gegen ein Din-A4 Blatt (siehe Bild 2) und achte darauf, dass die Muskelanspannung in der Flanke exakt die gleiche ist wie beim “tssss”. Achte ausserdem darauf, dass das Blatt von Anfang bis Ende denselben Winkel einnimmt – damit übst du gleichzeitig das Dosieren des Luftstromes.

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Bild 2: Stütze und präziser Luftfluß

Hilfreich ist es außerdem Rhythmen zu pusten. Ziel wäre auch hier, dass der Zettel die ganze Zeit dieselbe Position behält. Das erreichst du dadurch, dass du die ganze Phrase gleichmäßig stützt und nicht jeden einzelnen Ton neu beginnst zu stützen (was bei schnellem Tempo eh unmöglich wäre).

Schritt 3 – Referenz-Etüde

Bevor du das Stützen bei Stücken anwendest, solltest du es eine angemessene Zeit täglich in einer “Referenz”-Etüde trainieren. Eine Etüde also, bei der du gewünschte Fertigkeiten perfektionierst und automatisierst und im Laufe der Zeit immer noch weitere Elemente dazupackst. Das kann z.B. eine simple Etüde sein, wie diese hier:

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Quelle: H.L. Clarke: Technical Studies for the Cornet

Zunächst nur bei dieser Übung achtest du darauf, immer so zu stützen, wie du es beim “tssss” und beim Blatt-Pusten getan hast. Sobald der Punkt erreicht ist, dass du automatisch so stützt, beginnst du es auch bei Stücken nach und nach bewusst anzuwenden.

Nach einigen Wochen bis Monaten sollte dir das Stützen dann in Fleisch und Blut übergegangen sein und du musst nicht mehr daran denken: du stützt fortan automatisch. Und das bringt dir dann all die oben umrissenen Vorteile.

Idealerweise aktiviert dann der Wunsch die jeweiligen Töne, die Musik zu spielen, die Stütze.

Deine Gedanken…

Welche Ideen sind dir beim Lesen des Artikels gekommen? Was ist dein Konzept von Stütze? Welche weiteren Übungen kennst du? Welche Bücher/Methoden kannst du empfehlen? Was hat dir geholfen? Was hat nichts gebracht? Nimm an der Diskussion teil und schreibe jetzt deinen Beitrag in die Kommentarbox unter dem Artikel.

11 Kommentare zu “In 3 einfachen Schritten zu einer besseren Stütze

  1. Guter Artikel, jetzt tauchen aber neue Fragen und offene Punkte auf:

    – Hat die “Stütze” eine Stärke, welche von Lautstärke und Tonhöhe abhängt oder gibt es nur an/aus?
    – Im Fall an/aus, was wäre die richtige Stärke für die Muskelanspannung, immer 100% bzw. die Stärke für den scharfen kurzen Zischlaut (s.o.)?
    – Wenn wird die “Stütze” korrekterweise entspannt, nur beim Einatmen, oder auch in kurzen Pausen zwischen Noten. (Wie man es ja hin und wieder von Lehrern hört)

    • Da muss man m.E. unterscheiden zwischen einem Ideal, das man anstrebt und der Praxis. Ich persönlich versuche das Modell (oder Ideal) so einfach wie möglich zu halten, weil man sonst Gefahr läuft sich in Details zu verlieren, die keinerlei praktischen Nutzen mehr haben.

      Daher halte ich folgendes für sinnvoll:

      * es wird IMMER gestützt
      * die Stütze ist PRIMÄR abhängig von der Menge der Luft in den Lungen
      * diese Unabhängigkeit der Stütze von Tonhöhe und Lautstärke – das Prinzip – üben wir mit speziellen Übungen (s.o.)
      * im echten Leben, beim Musizieren also, lassen wir das Stützen dann geschehen, weil wir uns hier nicht mehr mit Spieltechnik, sondern mit der Musik beschäftigen d.h. ein g1 im piano wird wohl sinnvollerweise weniger gestützt werden, als ein g3 im fortissimo. Der Körper tut dann eben was nötig ist, ohne dass man das kontrollieren müsste/könnte. (Die Frage mit dem “wie stark genau” erübrigt sich damit)

      Ich hatte eine Weile überlegt ob den Punkt “Konstante” überhaupt hinschreiben soll. Denn wenn man es wie Burba macht und immer “genau gleich” (konstant) stützt, dann ist das m.E. nicht sinnvoll (siehe g1 und g3 / pp und ff). Sinnvoll als Konstante finde ich aber, DASS man immer stützt.

      Deine Frage, ob man in kurzen Pausen entspannen soll, kann ich nicht pauschal beantworten. Es kommt auf den Einzelfall an, was besser funktioniert. Bei einer 16tel-Pause mitten in einer Funk-Phrase bspw. wäre es nicht angebracht… Meine These nach wie vor: wenn man grundlegende Fertigkeiten ausreichend geübt hat, macht der Organismus spontan immer das Richtige.

  2. habe leider keinerlei Erfahrungen mit der Stütze – das Prinzip finde ich aber hier sehr gut und knapp erklärt!!

    Mit freundlichen Grüssen!

    Bruno Seene

  3. Lieber Daniel,
    Dein Artikel über die Stütze ist sehr gut! Auch ich habe zu diesem Thema bereits einen Artikel verfasst, den ich ergänzend zu Deinem gerne hier erwähne:
    http://der-trompetenlehrer.de/die-stuetze/

    Herzliche Grüße,
    Dein Kollege Ralf

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  7. Dazu habe ich eine Frage. Was macht der Bauch in dem Moment, wenn die Stütze “startet”? Der Bauch /Körper geht oder bewegt sich komplett nach außen? Oder?
    Lieber Gruß
    Petra

    • Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. An der Flanke geht es aber bei jedem nach aussen.

  8. Hallo zusammen,

    wie Daniel beschreibt ist Stütze ein natürliches Unterstützen des Ausatmens durch die Bauch und Flankenmuskulatur.

    Ich habe von meinem ersten Lehrer Stützübungen nach Rolf Quinke (Stock zwischen Bauch und Wand halten) gezeigt bekommen.
    Erst Jahre später habe ich für mich erkannt, dass bei zunehmender Stütze sich meine Bauchmuskulatur eher beim Anspannen nach innen zieht,
    Das hat mir ein viel natürlicheres und entspannteres Spielgefühl gegeben als dieses Gefühl, den Bauch während des Spielens (Ausatmens) ständig nach vorne zu drücken.

    Gruß
    Hajo

  9. Jonas Nolte

    In der Posaunenchorlandschaft merkt man die sehr unterschiedliche Ausprägung. Dort, wo es sehr engagierte, zum Teil hauptberufliche Lehrer und leidenschaftliche Laienmusiker gibt, höre ich viel größere dynamische Unterschiede, ein viel bessere Intonation und damit eine größere Ausdruckskraft.

    Ich würde mal vermuten, dass es sich für viele Menschen sehr lohnt, mal in einer trockeneren Akustik zu üben. Wenn ich oft in größeren bzw. halligen Kirchen spiele, habe ich viel größere Probleme, die eigenen Schwächen zu hören. Der Klang wird getragen, es kostet weniger Kraft. Wenn ich dann zuhause mal mit Silent Brass spiele, ist es gerne mal ein bisschen frustrierend, jede Unsauberheit zu hören. Aber das immer zu überdecken und sich einzureden, das könne man nicht gezielt verbessern, entspricht nun auch nicht der Wahrheit. Dasselbe mit Zungenstoß. Ich merke manchmal, dass die Luft bei manchen Leuten (bei mir zum Glück viel seltener als früher) gar nicht konstant fließt und Töne nicht sauber angestoßen werden. Dabei fände ich das in halliger Akustik besonders wichtig, da auch zu lernen Phrasen- und Legatobögen zu unterscheiden.

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